Das Phänomen Männerballett

Es ist schon gewöhnungsbedürftig, wenn man zum ersten Mal ein Männerballett in Aktion sieht. Zu ungewöhnlich ist es, wenn meist bierbäuchige Männer mit Perücken auf der Bühne stehen und gar nicht erst versuchen, graziös auszusehen. Aber darum geht es nicht wirklich. Beim Männerbalett geht es darum, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, sich lächerlich zu machen und das Publikum zu amüsieren.

Die meisten Männerballetts schaffen das, indem sich die männliche Besetzung bewusst übertrieben schminkt, zu große Perücken trägt und oft viel zu kurze Röcke anhat. Besonders lustig sieht es dann aus, wenn Männer versuchen in Stöckelschuhen zu tanzen Und dennoch versuchen die Tänzer zumindest einem gewissen tänzerischen Anspruch gerecht zu werden und studieren komplette Choreografien ein. Sie sind oftmals das Highlight einer Faschingssitzung, und erfolgreiche Männerballette bekommen Auftrittsanfragen aus dem ganzen Land.

Aus der reinen Faschingstradition ist aber mittlerweile auch eine Sportart geworden. Ähnlich wie beim Gardetanz treten Männerballetts heute bei Wettbewerben gegeneinander an. Gewertet werden dabei vor allem die tänzerischen Qualitäten, aber auch Akrobatik und der künstlerische Ausdruck.

Die Größe eines Männerballetts ist nicht festgelegt. In der Regel bilden 5 bis 15 Männer eine Gruppe. Oftmals gibt es einen Haupttänzer oder ein Tanzpaar. Nicht alle Tänzer verkleiden sich als Frauen, manche können auch als Männer tanzen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Lied – wie zum Beispiel eines aus dem Musical “Westsidestory” – verlangt, dass Paare auf der Bühne stehen.

Für das Publikum bei einer Faschingssitzung ist das Männerballett immer wieder ein Grund in schreiendes Gelächter auszubrechen, oftmals auch, weil gerade in kleineren Städten und Gemeinden die Familie der Männer zuschaut und sich über die Darbietung lustig machen kann.

Das Männerballett ist ein sehr deutsches Phänomen, obwohl es auch in anderen Kulturen immer wieder Männer gab, die in Frauenkleidern tanzten, allerdings nicht als eine jährliche Tradition bei einer Veranstaltung wie der Fastnacht und selten, um sich zum Narren zu machen.